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Transparenz und Verantwortung

Transparenz und Verantwortung

Leistungsbilanzen geben darüber Aufschluss, was Fondsanbieter versprechen und was sie tatsächlich gehalten haben. Jürgen Göbel, Geschäftsführer eines Emissionshauses, erklärt, worauf Anleger beim Lesen der Leistungsbilanzen achten sollten.

Herr Göbel, warum werden geschlossene Fonds transparenter durch Leistungsbilanzen?
Die Leistungsbilanz ist ein Nachweis darüber, wie leistungsfähig ein Anbieter für geschlossene Fondsbeteiligungen ist. Sie gibt einen kompakten Überblick darüber, wie sich die Beteiligungen, die ein Anbieter aufgelegt hat, entwickelt haben.

Weiterhin zeigt sie, welche Arten von Beteiligungskonzepten aufgelegt wurden, welche Renditen erzielt wurden, wie lang die Laufzeiten waren, und wie groß der Unterschied zwischen dem prognostizierten und dem tatsächlich erzielten Ergebnis war. Der geschlossene Fonds ist eine unternehmerische Beteiligung mit Chancen, aber auch Risiken. Daher gibt es erfahrungsgemäß meist Abweichungen nach oben und nach unten.

Wie lese ich eine Leistungsbilanz?
Es sind mehrere Aspekte, auf die man achten sollte. Zum einen: Welches Gesamtbild gibt der Anbieter ab? Wer steht hinter dem Unternehmen? Was hat das Unternehmen für eine Organisationsform? Wie erfahren ist das Management? Auch darüber sollte in der Leistungsbilanz etwas stehen: Was hat der Anbieter bisher gemacht? Wo sind seine Schwerpunkte, etwa Schiffe, Immobilien oder erneuerbare Energien?

Gibt es darüber hinaus weitere Punkte, auf die der Anleger achten sollte?
Wenn man die Leistungsbilanzen verschiedener Anbieter nebeneinander legt, kann man einen Vergleich schaffen, der zeigt, wie leistungsfähig einzelne Anbieter sind. Liegen sie weit weg von dem, was sie versprechen oder nah daran? Aber auch die Verständlichkeit spielt eine wichtige Rolle. Der Anleger sollte sich mit wenig Zeitaufwand ein Bild von dem jeweiligen Anbieter und seinen Beteiligungsangeboten machen können.

An wen richtet sich die Leistungsbilanz?
Die Leistungsbilanz richtet sich grundsätzlich an jeden, der sich für geschlossene Fonds oder die Beteiligung an Sachwerten interessiert. Dies sind zum Beispiel Privatanleger, institutionelle Investoren, Projektentwickler ebenso wie Journalisten und Analysten, die dieses Marktsegment begleiten.

Erstellt jeder Anbieter von geschlossenen Fonds eine Leistungsbilanz?
Es gibt gesetzlich keine Pflicht dazu. Aber jeder Anbieter, der dem Anleger gegenüber Vertrauen erweckend agieren möchte – und jeder renommierte Anbieter möchte dies, um auch weiterhin Investoren positiv ansprechen zu können –, veröffentlicht regelmäßig eine Leistungsbilanz. Mit dieser wird dann mindestens einmal im Jahr ein Zwischenstand gegeben: Wo stehen wir und was haben wir bisher erreicht.

Der VGF hat "Grundsätze und Leitlinien zur Erstellung von Leistungsbilanzen" herausgegeben. Ist das Ihrer Meinung nach ein gangbarer Weg, um für mehr Transparenz und Qualität zu sorgen?
Völlig richtig. Deswegen hat der VGF auch vor einigen Jahren zusammen mit den Anbietern diese Grundsätze erarbeitet. Unser Ziel war es, einen einheitlichen Standard zu schaffen, der schnell erkennen lässt, wie gut die Performance der einzelnen Anbieter war.

Dadurch ist ein sehr guter Standard entstanden. Dieser wird übrigens laufend an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. So bleiben wir nicht auf dem Status stehen, den wir vor fünf, sechs Jahren einmal verabschiedet haben, sondern passen uns der Dynamik des Marktes an.

Leistungsbilanzen blicken auf abgeschlossene Projekte zurück. Kann eine Leistungsbilanz vor schlechten Produkten schützen?
Nein. Sie kann aber eine Hilfestellung dafür sein, um zu sehen, was die Anbieter in den vergangenen Jahren umgesetzt haben und wie sie ihre Ziele erreicht haben. Sie ist wie jede vergangenheits-orientierte Betrachtung kein Garant dafür, wie die Fonds sich in der Zukunft entwickeln. Es wirken viele Parameter darauf ein, die in die Zukunft betrachtet niemand vorhersehen kann.

Andererseits ist die Differenz zwischen dem, was ein Anbieter versprochen und dem, was er tatsächlich erfüllt hat, ein geeigneter Gradmesser. Je enger diese Werte beieinander lagen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch in Zukunft die Performance relativ gut aussehen dürfte.

Auf der Seite leistungsbilanzportal.de veröffentlichen die Mitgliedsunternehmen des VGF ihre jeweils aktuelle Leistungsbilanz. Wann werden die Ergebnisse für das Jahr 2010 veröffentlicht?
Es gibt eine Selbstverpflichtung, die sich die Verbandsunternehmen aufgelegt haben, dass sie bis zum 30.9. des Folgejahres die Leistungsbilanz veröffentlichen wollen und in die Homepage des VGF einstellen. Beim geschlossenen Fonds handelt es sich jedoch um eine Vielzahl kleiner Unternehmen, an denen die Investoren beteiligt sind. Bei einigen Projekten ist es mit sehr viel Aufwand verbunden, bis alle wirtschaftlichen Belange berücksichtigt sind, die zu einer korrekten, transparenten und angemessenen Bilanzierung führen. All diese einzelnen Ergebnisse fließen in die Leistungsbilanz ein.

Vor diesem Hintergrund ist es für die Anbieter jedes Jahr aufs Neue ein ehrgeiziges Ziel, neun Monate nach Ende des Geschäftsjahres die Leistungsbilanz komplett aufzustellen. Das ist der Grund, weshalb der Zeitraum bis zum 30.9. von den meisten Anbietern oftmals bis zum letzten Tag genutzt wird, bevor die Leistungsbilanz veröffentlicht wird.  

 

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